Server 2019 als Terminalserver ungeeignet

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Bitte entschulden Sie zunächst einmal die reißerische Überschrift, aber ich habe in den letzten Wochen gelernt, dass die Information noch nicht bei jedem angekommen ist.

Natürlich lässt sich mit dem Windows Server 2019 fast genau so wie beim Vorgänger, dem Server 2016, ein RDP-Server also ein Remote Desktop Szenario aufsetzten.

Der Server 2019 bring jedoch an dieser Stelle zwei wesentliche, einschneidende Änderungen welche den Einsatz als RDP-Server in vielen Fällen verhindern.

  • Office 365 wird auf Windows Server 2019 nicht unterstützt.
  • Keine Unterstützung von RemoteFX mit Server 2019.

Kein Office 356 auf Server 2019

Das ist in meinen Augen der ein echter Showstopper. In einem RDS-Szenario mit Windows Server 2019 als RDS-Host wird ausschließlich Office in den Perpetual Lizenz also einer dauerhaften Lizenz ohne regelmäßige Funktionsupdates supportet.

Das ist in mehrfacher Hinsicht schwer zu verdauen. Gerade jetzt wechseln wir aus vielerlei guten Gründen gerade an allen Stellen auf Lizenzmodel CSP, also Office 356.

Für einen Terminalserver unter Windows Server 2019 müssten wir also weiterhin Perpetual Lizenzen über die Open Volume Lizensierung verwenden. Je nach Szenario der möglichen Mehrfachinstallation unter Office 365 kommen wir auch wieder in das Thema der Mehrfachlizensierung.

Aus Kundensicht viel einschneidender, der Funktionsumfang von Office 365 und der Perpetual Lizenz driftet mit zunehmendem Tempo auseinander. Das Look & Feel und der Funktionsumfang ist unterschiedlich.

Keine RemoteFX Unterstüztung unter Server 2019

Ok, zugergeben, die Anzahl der Installationen welche die Graphik-Funktionen von RemoteFX verwenden mag keine wesentliche Rolle spielen.

Ich dagegen habe die RemoteFX Funktion sehr gerne verwendet, um Remote USB Ports an die RDP-Session durchzuleiten. Damit ist unter Windows Server 2019 auch Schluss.

Gründe und Ausblick

Was jetzt kommt, ist eine sehr persönliche Betrachtung. Natürlich fragt man sich, warum Microsoft das tut?

Nun, wenn wir die Entwicklung von Windows Server ansehen, dann stellen wir fest, das wir uns hier immer mehr von der bekannten GUI verabschieden. Die Installationsoption als Core-Variante wird immer häufiger der Standard. Tools wie Windows Admin Center tragen dem Rechnung und machen die Verwaltung von „Core-Servern“ einfach und praktikabel. Microsoft empfiehlt die Core-Installation als Standard.

Wer weiß, ob die nächste Serverversion überhaupt noch eine eigene GUI bringt? Und ohne eine dem Deskop-System ähnliche GUI ist auch ein RDP-Server nicht denkbar.

In meinen Augen lässt Microsoft hier den klassischen RDP-Server langsam sterben.

Windows 10 Multi-Session-Host

Das der klassische RDP-Server sterben sollte, wäre in meinen Augen kein Drama, steht doch schon der nächste Stern am Horizont.

Mit Windows 10 Mulit-Sesscion-Host bringt Microsoft das Client-Betriebssystem in die RDP-Serverrolle mit echten Multi-Session Eigenschaften.

Damit kann eine oder gar mehrere Installationen solcher Windows 10 Versionen den Terminalserver ersetzten.

Und endlich arbeiten die RDP-User tatsächlich auf einem echten Client-Betriebssystem und nicht mehr auf einem „verbogenen“ Server.

Denken wir an die Third-Party-Anwendungen die sich meist auch recht schwer taten, Ihre Software sowohl für den Client wie auch für einen RDP-Server bereitzustellen. Auch wenn hier die wirklichen Herausforderungen wie Profiles und Registry erhalten bleiben. Mir gefällt der Ausblick.

Zwei Punkte trüben die Vorfreude auf das Windows 10 Mulit-Session-Host: Zum einen ist Microsoft hier zeitlich in Verzug. Die Lösung ist seit einigen Tagen erst in der Public-Beta, zum anderen wird das neue OS (zunächst?) nur auf Azure gehostet angeboten.

Letzteres stellt zwar eine neue Herausforderung dar, aber tatsächlich bietet es in den meisten Szenarien die passende Lösung.

Und wenn nichts passt?

Für alle Installationen, in denen weder die eingeschränkten RDP-Funktionen von Windows Server 2019 noch das Windows 10 Mulit-Session-Host in Azure die passende Lösung darstellt, empfiehlt Mircosoft weiterhin auf Windows Server 2016 als RDP-Host zu setzen.

Eine eher fahl schmeckende Alternative. Windows Server 2016 verlässt bereits Januar 2022 den grundlegenden Support und schwenkt dann in den erweiterten Support. Für einen Server oft kein schwerwiegender Zeitpunkt. Für eine Server als RDP-Host in meinen Augen schon. Mit dem Ablauf des grundlegenden Supports wird es keine Funktions-Updates und Anpassungen mehr geben. Damit wird sich Bedienung, Funktionen und evtl. auch Kompatibilität mit neuere Anwendersoftware weiter vom Client-Betriebssystem Windows 10 entfernen.

Über Michael

High-Tech-Junkie
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2 Antworten auf Server 2019 als Terminalserver ungeeignet

  1. Gerd Degenkolb sagt:

    Hallo Herr Fischer,

    können Sie sagen ab wann Windows 10 Multi Session Host offiziell zur Verfügung steht und welche Version von Windows man kaufen sollte um diese Version zu nutzen?
    Wir sind ein kleines Unternehmen mit 10 Mitarbeitern, nutzen Windows Server 2012R2 mit einem virtualisiertem Windows 7 Ultimate für mehrere Benutzer.
    Einige Mitarbeiter nutzen das Windows 7 von zuhause aus über RDP.

    Viele Grüße
    Gerd Degenkolb

    • Michael sagt:

      Hallo Herr Degenkolb,
      sie beschreiben vom Prinzip ein Szenario, welches für den Windows Virtual Desktop, wie der Multi-Session-Host wohl heißen wird, sehr gut geeignet ist.

      Wie schon beschrieben, wird es Windows Virtual Desktop nur in Azure geben. Sie benötigen dazu eine Windows 10 Enterprise Lizenz, welche es nur als Upgrade von einer berechtigten Basis-Lizenz gibt.
      In Ihrem Fall sind die Windows 7 Ultimate eine berechtige Lizenz.

      Die Upgrade-Lizenz können Sie über das Open-Programm oder über die Microsoft 365 Lizenz bekommen. Über die „365-Lizensierung“ können sie entweder reines Windows 10 Enterprise oder ein Paket mit Office und zahlreichen Zusatzfeatures (Microsoft 365) bekommen.

      Ich empfehle die Lizensierung über das Microsoft 365. Damit haben Sie die Lizenz für das aktuelle Windows 10 Enterprise incl. einer Office Lizenz sowie wirklich nützliche Sicherheitsfeatures.
      Die Microsoft 365 Business Lizenz kostet im Jahres-Abo pro Monat 16,90 Euro zzgl. MwSt.
      Wenn Sie sich nun entscheiden, Ihren virtuellen Computer in Azure auszulagern, so kommen zu den Lizenzkosten noch die benötigten Azure-Kosten. Diese sind abhängig von der Compute-Leistung wie der Laufzeit.

      Soweit klingt das noch recht einfach.
      Leider bringt das „Modern Working“ auch ein paar Nebenkriegsschauplätze, welche man unbedingt beachten sollten. Das reicht von der Anbindung an evtl. lokal betriebene Datenbanken, über den die Verbindung an ein lokales AD bis hin zur Unterstützung von benötigter Software. Bislang unterstützt z.B. DATEV keine Installationen auf Windows Virtual Desktop.

      Da sie noch Windows 7 einsetzten, kann es sein, dass Sie vielleicht zwingende Gründe dafür haben.
      Ich empfehle grundsätzlich auf ein aktuelles Windows 10 upzugraden.
      Sollten Sie jedoch wirklich zwingende Gründe haben, noch eine Weile Windows 7 einzusetzen, so haben Sie mit dem Windows virtual Desktop die Option der ESU für Windows 7.
      Kunden die diese Art der Windows-Bereitstellung wählen, bekommen den ansonsten für die meisten Unternehmen unerschwinglichen Service, auch über das Support-Ende hinaus noch weitere 3 Jahre Sicherheitsupdates (Extended Security Updates) für Windows 7 zu erhalten.

      Dann ist noch die Frage nach der Verfügbarkeit:
      Leider ist das ganze Projekt Windows Virtual Desktop ordentlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Im Moment läuft eine Public Preview, welche man nicht produktiv nutzten sollte.
      Ich persönlich rechne mit einer allgemeinen Verfügbarkeit im Spätsommer bis in den Herbst hinein.
      Gerade weil das Projekt noch in der Preview ist, können sich einige Punkte in den Voraussetzungen, der Bereitstellung, Lizensierung und der Kosten noch ändern.

      Evtl. ist eine weitere Bereitstellung von Windows 10 über virtual Desktop Infrastructure (VDI) bei Ihnen ja auch eine Lösung. Gerne berate ich Sie auch hier zu den technischen Möglichkeiten und der Lizensierung.

      Ich hoffe Sie nun nicht noch mehr verwirrt zu haben. Wenn Sie noch weitere Fragen haben, kommen Sie gerne auf mich zu.

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